Dank Internet zu mehr Sozialkontakt

 

 

Autor: Larissa Läubli

 

Seit bald drei Jahren existiert in der Schweiz eine Web-Plattform, mit der man einfach und gezielt neue Freundschaften schliessen kann. Um der potenziellen Vereinsamung entgegenzuwirken, wurde die Internetseite sozialkontakt.ch ins Leben gerufen. Sie setzt sich zum Ziel, den realen Kontakt Gleichgesinnter schweizweit zu fördern, wobei das Internet einmal bloss dazu dienen soll, sich gegenseitig zu finden.

 

Die Website versteht sich jedoch nicht als Partnervermittlungsstelle. Im Fokus stehen Personen, welche die gleichen Hobbies und Interessen pflegen. Sei es ein gemeinsamer Wanderausflug, das Besuchen einer Kinovorstellung oder man trifft sich, um das neue Restaurant um die Ecke zu testen. Auf sozialkontakt.ch kann man für jeden Anlass Interessenten aus der Umgebung finden. Gegründet wurde die Plattform vom gemeinnützigen Verein ProCommunis mit dem Zweck, die zwischenmenschlichen Kontakte zu fördern.

 

Viele Gründe können zur Einsamkeit führen

Auf die zündende Idee für die Webseite kamen Roland Huster, Präsident des Vereins ProCommunis, und seine Frau, welche seit 10 Jahren bei der Spitex arbeitet. Ihr fiel während dieser Tätigkeit auf, dass praktisch alle Senioren, die sie betreute, sehr einsam und zurückgezogen leben. Gleichaltrige Bekannte sind leider verstorben und die Familie wohnt nicht mehr in der Nähe, so wie es früher einmal war. Doch das muss nicht sein. Natürlich fehlt der jetzigen Generation 65+ teilweise das Wissen und Interesse im Umgang mit dem Internet. Auch herrschen gewisse Hemmungen und ein Misstrauen gegenüber diesen technischen Geräten. Aus diesen Gründen wird sozialkontakt.ch wohl eher für die kommenden Senioren in 10 bis 15 Jahren interessanter. Aber nicht nur betagte Personen können vereinsamen, auch Menschen mit einer Behinderung und Migranten fällt es schwerer, neue Kontakte zu knüpfen. Nur schon der Umzug in ein neues Gebiet, kann anfangs eine Hürde sein. Daneben gibt es junge Leute, die den Kontakt zu anderen fast ausschliesslich online erlebt. Anstatt sich im realen Leben zu treffen, verbringen immer mehr Junge ihre Freizeit vor ihren mobilen Endgeräten und chatten, twittern oder schauen sich Facebook-Profile an. Im Gegensatz zu den bekannten sozialen Netzwerken, wo die Selbstdarstellung im Vordergrund steht, zielt sozialkontakt.ch nur darauf ab, das Nötigste von sich preis zu geben. Es ist nicht einmal eine Registrierung notwendig. Dank einem simplen Suchverfahren erfährt man schnell, wer in der Nähe dieselben Hobbies und Interessen hat. Danach kann man mit der gewünschten Person per Mail in Kontakt treten. Alles Weitere geschieht fern ab vom Netz. Oder man gibt die gewünschten Kriterien ein, also Hobby/Interessen und Radius, wie weit entfernt vom Wohnort sich die gesuchte Person befinden darf, und bekommt eine Nachricht, sobald sich jemand mit diesen Angaben anmeldet.

 

Der Mensch braucht Sozialkontakt

Klar kann die moderne Technik den echten Kontakt zwischen Menschen zeitweise ersetzen und ist vor allem dann nützlich, wenn die andere Person sich nicht in der Nähe befindet. Jedoch kann keine Alternative den echten Kontakt im realen Leben vollends ersetzen. Denn der Austausch und das gemeinsame Erleben sind enorm wichtig für jeden. Der soziale Kontakt zu anderen Menschen weckt die Lebensfreude, gibt mehr Selbstvertrauen und stärkt die soziale Sicherheit, sowie Kompetenz im Umgang mit anderen. Egal wie alt man ist oder woher man kommt, ob man eine Krankheit oder Behinderung hat oder im Bekanntenkreis niemand ist, der ein bestimmtes Hobby mit einem teilt: Jeder hat ein Recht darauf, sich mit anderen Menschen zu treffen und etwas gemeinsam zu unternehmen. Und genau hier will sozialkontakt.ch helfen. Nach dem Motto „So viel Information wie nötig – so wenig Daten wie möglich“, lässt sich in wenigen Schritten ein Profil erstellen und schon kann man sich auf die Suche machen. Dabei stehen die Hobbies und Interessen der Personen im Fokus. Denn worüber kann man sich leichter austauschen als über das, was einem am meisten Spass macht? Es spielt keine Rolle, ob man Zeit mit einer Einzelperson verbringen möchte, oder sich einer Gruppe anschliessen will. Auf sozialkontakt.ch ist beides möglich. Solange es sich um nichtkommerzielle Angebote handelt, kann man ebenfalls Inserate aufschalten, z.B. für einen gemeinsamen Mittagstisch. Die Seite wurde bewusst einfach gestaltet, damit sie von jedem genutzt werden kann. Denn obwohl sozialkontakt.ch grundsätzlich für jeden gedacht ist, besteht die Zielgruppe aus Senioren, Menschen mit Behinderungen und Personen aus dem Ausland, welche sich so unkompliziert dank der simplen Bedienung auf der Plattform zurechtfinden können.

 

Das virtuelle Mittel zum realen Zweck

Noch ist diese einzigartige Webplattform wenig bekannt, doch dies soll sich in nächster Zeit ändern. Bereits einige Organisationen und Institutionen zum Thema Soziales und Alter wurden auf die Seite aufmerksam und weisen auf ihren Homepages daraufhin. Vereinspräsident Roland Huster erhielt zudem schon viel Lob für sozialkontakt.ch, aktiv werden die meisten jedoch erst zögerlich. Was die Sicherheit betrifft, da muss man sich als Nutzer überhaupt keine Sorgen machen, denn alles verläuft höchst anonym. Veröffentlicht wird bloss der Vorname und Wohnort des Nutzers, alles andere ist für die weiteren Besucher der Seite nicht einsehbar. Die Inhalte werden allesamt automatisch überwacht, analysiert und im Verdachtsfall eliminiert. Wer sich nun trotzdem nicht sicher ist, ob er sich anmelden soll, da er weder Sport betreibt, noch tanzt oder verreisen will, eins vorweg: auf sozialkontakt.ch kann man auch über ganz simple Dinge neue Bekanntschaften schliessen. Beispielsweise mit einem Spieleabend, einem Spaziergang oder einfach mit einer Tasse Kaffee und einem guten Gespräch. Dank dem Internet und seinen Funktionen ist es heute möglich, problemlos mit Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt zu treten. Dabei gibt es bestimmt viele spannende Personen, die gar nicht so weit vom Wohnort entfernt leben und mit welchen man fernab vom Web etwas unternehmen könnte. Und vielleicht entsteht dabei sogar eine Freundschaft fürs Leben.